Der Letzte Flug der B-17 #42-3535
Bethe flog den waidwunden Bomber Richtung Nordnordost nach Dänemark. DeMars wurde in den Funkraum gebracht, wo Johnnie Hamlin die Wunden versorgte. Der Bordschütze Tony Segalla nahm den linken Pilotensitz ein (Bethe flog aufgrund der früheren Position der Maschine im Verband vom rechten Sitz aus) und musste mit der Kraft beider Beine das linke Ruderpedal drücken, da durch den Luftwiderstand die B-17 nach rechts zog. Der auf Verdacht eingeschlagene Kurs war wegen der Beschädigung nur schwer zu halten und zudem verlor die Maschine schnell an Höhe. Die Besatzung versuchte dem zu entgegnen indem sie hastig alles aus der Maschine warf was nicht benötigt wurde, womit sie eine Spur quer über die Halbinsel Store Heddinge hinterließ. Da auch die meisten Fallschirme beschädigt waren gingen auch sie über Bord, denn jedes Besatzungsmitglied hatte sich dafür entschieden "den ganzen Weg hinunterzureiten". Als die Küste Dänemarks erreicht wurde, musste der Navigator Hy Juskowitz wohl geahnt haben, dass mit der Geographie etwas nicht stimmte, denn sie flogen weiter nach Norden und drehten dann nach Osten, wo an diesem schönen und klaren Tag vielleicht schon Schweden erkennbar war. Bei Soholm/Gjorskev fiel aber auch noch der letzte Motor aus. Trotz ihrer geringen Höhe entschied sich Bethe südlich vom Klippinge umzudrehen, denn er hatte 4 km zurück einen möglichen Notlandeplatz gesehen. Der Anflug erfolgte mit rund 100 Knoten. Kurz nach dem Aufsetzen traf die rechte Tragfläche einen Telefonmast, wodurch sich die Maschine nach rechts drehte, knapp ein Farmhaus verfehlte und sich dann in die Erde fraß. Bethe hatte ganze Arbeit geleistet. Links war eine Straße und ein Graben, rechts eine Hochspannungsleitung. Die B-17 brach hinter dem Funkraum auf und füllte sich mit einer Tonne Erde, was wie eine kräftige Bremse wirkte. Es war 14.00 Uhr als die Besatzung ohne größere Verletzungen (bis auf DeMars, der herausgetragen wurde) das Wrack hastig verließ. Sie befanden sich 60 km südlich von Kopenhagen und hatten eine 125 m lange Furche in ein 300 m langes Kleefeld gepflügt. Der bei der Bruchlandung umgelegte Telefonmast erwies sich als äußerst hilfreich, denn durch die unterbrochenen Telefonleitungen konnte die Nachricht von der Notlandung nicht weitergemeldet werden und so wurde das Wrack der B-17 von den deutschen Besatzungstruppen erst gegen 23.00 Uhr gefunden. Noch größeres Glück hatte die Besatzung durch die Tatsache, dass die den Bruch beobachteten Dänen der Widerstandsbewegung angehörten und sich sofort um die Amerikaner kümmerten. Nach einigen Tagen des Versteckens gelang es den hervorragend organisierten Dänen die Besatzung auf einem Fischerboot nach Schweden zu schmuggeln. Nach dem die Wunden von DeMars geheilt waren, flogen sie mit einer B-24 (insgesamt 82 Personen!) nach Schottland, von wo aus sie zur weiteren Befragung nach London gebracht wurden. Da sie durch die dänische Untergrundbewegung gerettet worden waren und diese nicht unnötigerweise gefährdet werden durften, wurde die Besatzung aus dem Einsatz gezogen und konnte als überführungsmannschaft mit einer kriegsmüden B-17 in ihre Heimat zurückkehren. Dies war eine der wenigen Besatzungen, die nach dem Abschuss hinter den feindlichen Linien komplett der Gefangenschaft entkommen konnte.
An diesem Einsatz waren über 1200 Bomber und Jäger beteiligt. 52 B-17, 12 B-24 und 16 Jäger gingen an diesem Tag verloren. Die 3rd Bomber Division hatte mit 33 Maschinen die schwersten Verluste. Wie vorgesehen verließ der Geleitschutz die 3rd Division am vorgesehenen Punkt, traf auf keine gegnerischen Flugzeuge, verlor keine Maschine und erzielte somit auch keine Luftsiege. Beim gesamten Einsatz wurden 13 Mann getötet, 47 verwundet und 654 Besatzungsmitglieder wurden als vermisst gemeldet.
Die Einzelheiten dieses ungewöhnlichen Einsatzes der #42-3535 können zusammen mit einer Ausstellung von Einzelteilen aus dieser B-17 im Kalamazoo Aviation History Museum im Bundesstaat Michigan besichtigt werden.