Schweinfurt - Zeugenberichte
"Ich lehnte mich an den Sitz des Copiloten und beobachtete unsere Formation. Es waren jetzt viel weniger Maschinen als beim Start und die meisten trugen Beschussspuren von deutschen Jägern oder von der Flak. Einige Maschine hinkten auf drei Motoren. Manche Bomber hatten Tote an Bord und Verwundete, die ihre Schmerzen mit Morphiumspritzen und Tabletten zu linder suchten. Alle Besatzungen waren durch den neunstündigen Flug in großer Höhe zermürbt. Wir bemühten uns, die zersprengten Formationen wieder zu schließen.
Das überfliegen der holländische Küste war psychologischer Wendepunkt und die Besatzungen, deren Maschinen heil geblieben sind, konnten sich ein wenig entspannen. Einige holten ihre Thermosflaschen mit Kaffee hervor und packten ihre Sandwiches aus oder rauchten die verbotene Zigarette. Nur von den Bordschützen wurde erwartet, dass sie weiterhin wachsam blieben.
Die Navigationshilfsgeräte waren jetzt nicht mehr gestört und zum ersten Mal nach Hunderten von Kilometern konnte man die Position zuverlässig feststellen. Das Identifikationssignal wurde angeschaltet, damit die RAF-Jäger und Radarstationen den herannahenden Verband als eigene erkennen konnten.
Einige Maschinen hatten durch Schüsse in die Tanks Treibstoff verloren. "Eine B-17 sackt ab", rief unser Schütze. Wir sahen einen Bomber auf das Meer niedergehen. Wenige Minuten später ging ein zweiter Bomber runter und kurz danach ein dritter. Die restlichen Maschinen unserer erschöpften und zerschlagenen Gruppe flogen weiter, alles übergewicht über Bord werfend. Sobald wir die britische Küste überquerten, bot sich uns das übliche Bild: Diejenigen Bomber, die sich kaum noch in der Luft halten konnten, brachen wie auf Kommando aus der Formation und Steuerten einer nach dem anderen auf dem eine Meile landeinwärts liegenden Flugplatz zu. Der Kontrolloffizier im Tower war bestimmt am Rande der Verzweiflung. Er feuerte wie wild Leuchtkugeln in allen möglichen Farben ab. Er hätte sich jedoch dieses Feuerwerk sparen können, da die heimkehrenden Besatzungen nur einen Gedanken hatten, so schnell wie möglich die Erden zu erreichen. Der so gelichtete Verband fliegt weiter zum eigenen Stützpunkt. Unter den Staffeln gab es immer einen Wettstreit, welche Besatzung nach der Rückkehr von einem Angriff zuerst landen würde. Die Gewinner waren gewöhnlich die erfahrenen "alten Füchse". Einige gerissene Piloten meldeten sich beim Kontrollturm zurück, noch weit von dem Flugplatz entfernt, um auf diese Weise einen besseren Platz in der Warteschlange zu ergattern.
Die Busse warten schon, um uns in die Unterkünfte zu bringen. Nachdem wir Fallschirme, Fliegerkombinationen und Ausrüstungen abgegeben hatten, schleppten wir uns todmüde zum "Verhör". Die Begrüßungszigarette in der Hand und heißen Tee mit Rum, so gab jede Besatzung einem Nachrichtenoffizier ihren Einsatzbericht. Ich schaute auf den verstört wirkenden Piloten neben mir. Es war der sonst stets übermütige C., jetzt fast restlos erledigt. "Jemanden verloren?" fragte ich. - "Ich habe draußen einen toten Funker", antwortete er, "und sie schossen mir meinen Bombenschützen und meinen Bordmechaniker zusammen. Mein Copilot machte schlapp, er ist wirklich urlaubsreif."
Stars ans Stripes, August 1943